Auf einer Packung Einmalhandschuhe drängen sich oft ein Dutzend kleiner Zeichen: ein gestrecktes E, ein Becherglas mit Gabel, ein durchgestrichener Kreis, eine Sanduhr, Buchstabenkürzel und Zahlen neben dem CE-Logo. Wer Handschuhe einkauft oder im Betrieb verteilt, steht regelmäßig vor der Frage, was diese Symbole bedeuten und welche davon für den eigenen Einsatzzweck wirklich zählen. Dieser Ratgeber ordnet die wichtigsten Piktogramme auf Einmalhandschuh-Verpackungen ein – sachlich, herstellerneutral und mit Verweis auf die zugrunde liegenden Normen.
Kurze Antwort
Die Symbole auf Handschuhverpackungen lassen sich grob in vier Gruppen einteilen: das CE-Zeichen als Konformitätskennzeichnung, Schutz-Piktogramme nach EN ISO 374 (Erlenmeyerkolben für Chemikalien, Bakterien-Symbol für Mikroorganismen), das Glas-Gabel-Symbol für Lebensmittelkontakt nach Verordnung (EG) Nr. 1935/2004 sowie Hinweis- und Handhabungssymbole nach EN ISO 15223-1 (Chargennummer, Verfallsdatum, „nicht wiederverwenden“, Hersteller). Welche Zeichen relevant sind, hängt davon ab, ob der Handschuh als Medizinprodukt, als persönliche Schutzausrüstung (PSA) oder für Lebensmittelkontakt vorgesehen ist. Die verbindliche Bedeutung steht immer in den Herstellerangaben und der zugehörigen Norm.
Warum stehen so viele Symbole auf der Box?
Einmalhandschuhe können je nach Bauart unter mehrere Rechtsrahmen gleichzeitig fallen. Ein medizinischer Untersuchungshandschuh ist ein Medizinprodukt nach der Verordnung (EU) 2017/745 (MDR). Schützt derselbe Handschuh zusätzlich vor Chemikalien oder Mikroorganismen, ist er gleichzeitig persönliche Schutzausrüstung nach der PSA-Verordnung (EU) 2016/425. Soll er an der Frischetheke getragen werden, kommt die Lebensmittelkontakt-Verordnung hinzu. Jeder dieser Rahmen verlangt eigene Kennzeichnungen – deshalb sammeln sich auf einer einzigen Box Symbole aus verschiedenen Normwelten.
Die Symbole sind kein Marketing, sondern überwiegend normativ geregelt. Sie sollen unabhängig von der Sprache eine schnelle Orientierung ermöglichen. Genau deshalb lohnt es sich, die wichtigsten Zeichen einmal sauber auseinanderzuhalten. Einen vertiefenden Überblick über die Unterscheidung zwischen Medizinprodukt und PSA bietet unser Beitrag Medizinprodukt vs. PSA bei Handschuhen.
Das CE-Zeichen und die vierstellige Nummer
Das CE-Zeichen ist die wohl bekannteste Markierung. Es ist die Erklärung des Herstellers, dass das Produkt die einschlägigen EU-Anforderungen erfüllt. Wichtig ist die Unterscheidung, ob hinter dem CE eine vierstellige Zahl steht oder nicht.
- CE ohne Nummer: typisch für einfache PSA der Kategorie I oder für Produkte, deren Konformität der Hersteller selbst erklären darf.
- CE mit vierstelliger Nummer (zum Beispiel CE 0121): Die Zahl identifiziert die sogenannte benannte Stelle (Notified Body), die laut Bundesanstalt-naher Fachliteratur die laufende Qualitätsüberwachung des Produkttyps durchführt. Bei komplexer PSA der Kategorie III – etwa Chemikalienschutzhandschuhen – ist diese Kennnummer vorgeschrieben.
Eine vierstellige Nummer ist also ein Hinweis darauf, dass eine unabhängige Prüfstelle in das Konformitätsverfahren eingebunden ist. Was das CE-Zeichen bei Handschuhen im Detail bedeutet und welche Rechtsgrundlagen dahinterstehen, ist im Beitrag CE-Kennzeichnung bei Einmalhandschuhen ausführlich erklärt.
Schutz-Piktogramme nach EN ISO 374
Der Erlenmeyerkolben: Chemikalienschutz
Das stilisierte Becherglas in Form eines Erlenmeyerkolbens steht für den Schutz vor Chemikalien nach EN ISO 374. Die Buchstabenkürzel unter dem Piktogramm (zum Beispiel A, K oder T) geben an, gegen welche Prüfchemikalien die Durchbruchzeit getestet wurde. Nach der aktuellen Normfassung werden Chemikalienschutzhandschuhe in drei Typen eingeteilt, die sich nach der Anzahl bestandener Prüfchemikalien und der Mindest-Durchbruchzeit unterscheiden. Laut der Praxishilfe des Instituts für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) bedeutet ein bestandener Test eine Permeations-Schutzdauer von mindestens 30 Minuten je geprüfter Chemikalie bei Typ A und B.
- Typ A: mindestens 30 Minuten Durchbruchzeit gegen mindestens sechs Prüfchemikalien.
- Typ B: mindestens 30 Minuten gegen mindestens drei Prüfchemikalien.
- Typ C: mindestens 10 Minuten gegen mindestens eine Prüfchemikalie.
Wichtig: Diese Werte gelten unter Laborbedingungen und sagen nichts darüber aus, wie lange ein Handschuh in der konkreten Praxis schützt. Die tatsächliche Eignung hängt von der eingesetzten Chemikalie, der Konzentration, der Temperatur und den Herstellerangaben ab. Die Einzelheiten zur Norm und ihren Schutzklassen stehen im Beitrag EN ISO 374 verständlich erklärt.
Das Bakterien-Symbol: Schutz vor Mikroorganismen
Ein eigenes Piktogramm kennzeichnet Handschuhe, die nach EN ISO 374-5 vor Mikroorganismen schützen. Erfüllt der Handschuh zusätzlich die Anforderungen an den Schutz vor Viren, steht unter dem Symbol der Schriftzug „VIRUS“. Fehlt dieser Zusatz, bezieht sich der Schutz nur auf Bakterien und Pilze. Dieses Detail ist in Bereichen mit Infektionsrisiko relevant und sollte nie aus dem Produktnamen, sondern immer aus der konkreten Normkennzeichnung abgelesen werden.
Das Glas-Gabel-Symbol: Lebensmittelkontakt
Das Becherglas-mit-Gabel-Symbol ist eines der am häufigsten missverstandenen Zeichen. Es bedeutet nicht „besonders hochwertig“, sondern: Das Material ist dafür ausgelegt, mit Lebensmitteln in Kontakt zu kommen. Rechtsgrundlage ist die Verordnung (EG) Nr. 1935/2004. Laut Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) sollen Lebensmittelkontaktmaterialien so beschaffen sein, dass sie unter den vorhersehbaren Verwendungsbedingungen keine Bestandteile in Mengen an Lebensmittel abgeben, die die menschliche Gesundheit gefährden oder Geruch und Geschmack unzulässig verändern.
Für Handschuhe an Frischetheke, in Großküche oder Bäckerei ist dieses Symbol das entscheidende Auswahlkriterium – wichtiger als Farbe oder Materialname. Die Eignung kann zudem je nach Lebensmittel variieren: fetthaltige oder saure Lebensmittel stellen andere Anforderungen als trockene. Welche Angaben hier zusätzlich zu prüfen sind, beschreibt der Beitrag Lebensmittelkontakt-Kennzeichnung bei Handschuhen. Eine breitere Orientierung zur Materialwahl bietet Welche Handschuhe für Lebensmittel geeignet sind.
Hinweis- und Handhabungssymbole nach EN ISO 15223-1
Bei medizinischen Einmalhandschuhen erscheinen zusätzlich grafische Symbole nach EN ISO 15223-1. Diese Norm regelt einheitliche Bildzeichen, die auf dem Produkt, der Verpackung oder in den Begleitdokumenten verwendet werden dürfen. Sie ersetzen Text und funktionieren sprachunabhängig. Die wichtigsten Zeichen:
- LOT: die Chargennummer, über die sich die Produktionscharge rückverfolgen lässt.
- Sanduhr: das Verfallsdatum (Verwendbar bis). Es markiert den Zeitpunkt, bis zu dem der Hersteller die zugesicherten Eigenschaften gewährleistet.
- Durchgestrichene „2″ im Kreis: das Symbol für „nicht wiederverwenden“. Es weist darauf hin, dass das Produkt für den einmaligen Gebrauch bestimmt ist.
- Fabrikgebäude-Symbol: kennzeichnet den Hersteller, ergänzt um Name und Anschrift.
- Offene Buchseite: Hinweis, die Gebrauchsanweisung beziehungsweise Herstellerinformationen zu beachten.
- Beschädigte Verpackung: ein Symbol weist darauf hin, das Produkt bei beschädigter Verpackung nicht zu verwenden.
Daneben tragen sterile Produkte eine eigene Kennzeichnung des Sterilisationsverfahrens, während unsterile Untersuchungshandschuhe ohne diese Angabe geliefert werden. Die Bedeutung der Norm EN 455 für medizinische Handschuhe – etwa zu Dichtigkeit, Reißfestigkeit und Haltbarkeit – ist im Beitrag EN 455 für medizinische Einmalhandschuhe aufbereitet. Warum das Verfallsdatum kein willkürlicher Wert ist, erklärt Haltbarkeit von Einmalhandschuhen.
Symbol-Übersicht auf einen Blick
| Symbol | Bedeutung | Grundlage |
|---|---|---|
| CE (ohne Nummer) | Konformitätserklärung des Herstellers | EU-Produktverordnungen |
| CE + vierstellige Nummer | Notified Body in die Überwachung eingebunden (u. a. PSA Kat. III) | VO (EU) 2016/425 |
| Erlenmeyerkolben | Chemikalienschutz, Typ A/B/C je nach Prüfchemikalien | EN ISO 374 |
| Bakterien-Symbol (ggf. „VIRUS“) | Schutz vor Mikroorganismen, optional Virenschutz | EN ISO 374-5 |
| Glas und Gabel | geeignet für Lebensmittelkontakt | VO (EG) 1935/2004 |
| LOT | Chargennummer zur Rückverfolgung | EN ISO 15223-1 |
| Sanduhr | Verfallsdatum | EN ISO 15223-1 |
| Durchgestrichene 2 im Kreis | nicht wiederverwenden | EN ISO 15223-1 |
Weitere Angaben auf der Box
Neben den genormten Piktogrammen finden sich auf Verpackungen weitere Textangaben, die nicht immer als Symbol dargestellt sind: die Materialangabe (Nitril, Latex, Vinyl und andere), Hinweise wie „puderfrei“ oder „latexfrei“, die Größenangabe, die Stückzahl je Box sowie gelegentlich der AQL-Wert. Der AQL-Wert beschreibt das in der Stichprobenprüfung akzeptierte Qualitätsniveau hinsichtlich Dichtheit; was er konkret aussagt, erläutert der Beitrag AQL-Wert bei Einmalhandschuhen. Diese Angaben ergänzen die Symbole, ersetzen sie aber nicht.
Checkliste: So liest du eine Handschuhbox
- Steht ein CE-Zeichen darauf – und folgt eine vierstellige Nummer?
- Ist ein Schutzpiktogramm (Erlenmeyerkolben, Bakterien-Symbol) vorhanden, wenn Schutz vor Chemikalien oder Keimen benötigt wird?
- Trägt die Box das Glas-Gabel-Symbol, falls Lebensmittelkontakt vorgesehen ist?
- Sind Verfallsdatum (Sanduhr) und Chargennummer (LOT) lesbar?
- Weist das Produkt das Symbol „nicht wiederverwenden“ auf?
- Stimmen Material, Größe und Stückzahl mit dem Bedarf überein?
- Sind Hersteller und Begleitinformationen angegeben?
Häufige Fehler beim Deuten der Symbole
- Das CE-Zeichen mit einem Schutzversprechen verwechseln. CE belegt Konformität mit Vorschriften, nicht die Eignung für eine bestimmte Chemikalie.
- Das Glas-Gabel-Symbol als Qualitätssiegel lesen. Es bezieht sich ausschließlich auf die Lebensmittelkontakt-Eignung des Materials.
- Den Erlenmeyerkolben ohne die Buchstabenkürzel bewerten. Erst die Codes und der Typ A/B/C sagen aus, gegen welche Stoffe getestet wurde.
- Das fehlende Wort „VIRUS“ übersehen. Ohne diesen Zusatz ist kein geprüfter Virenschutz dokumentiert.
- Verfallsdatum ignorieren. Abgelaufene Handschuhe können an Material- und Dichtigkeitseigenschaften verlieren.
Häufige Fragen
Was bedeutet die vierstellige Zahl hinter dem CE-Zeichen?
Die vierstellige Zahl ist die Kennnummer der benannten Stelle, die in das Konformitätsverfahren eingebunden ist. Bei komplexer persönlicher Schutzausrüstung der Kategorie III, etwa Chemikalienschutzhandschuhen, ist diese Kennnummer vorgeschrieben und verweist auf die Stelle, die die laufende Produktüberwachung durchführt.
Was sagt der Erlenmeyerkolben auf der Handschuhbox aus?
Der Erlenmeyerkolben steht für Chemikalienschutz nach EN ISO 374. Die Buchstaben darunter geben an, gegen welche Prüfchemikalien getestet wurde. Die tatsächliche Eignung hängt von der konkreten Chemikalie, Konzentration, Temperatur und den Herstellerangaben ab.
Was bedeutet das Glas-Gabel-Symbol?
Das Glas-Gabel-Symbol zeigt an, dass das Material für den Kontakt mit Lebensmitteln ausgelegt ist. Rechtsgrundlage ist die Verordnung (EG) Nr. 1935/2004. Es ist kein Qualitätssiegel, sondern bezieht sich ausschließlich auf die Lebensmittelkontakt-Eignung.
Wofür steht das Symbol mit der durchgestrichenen 2 im Kreis?
Dieses Symbol bedeutet nicht wiederverwenden. Es weist nach EN ISO 15223-1 darauf hin, dass das Produkt für den einmaligen Gebrauch bestimmt ist und nicht erneut verwendet werden soll.
Bedeutet ein Bakterien-Symbol auch Schutz vor Viren?
Nicht automatisch. Das Symbol nach EN ISO 374-5 steht zunächst für den Schutz vor Bakterien und Pilzen. Nur wenn unter dem Symbol zusätzlich der Schriftzug VIRUS steht, ist ein geprüfter Schutz vor Viren dokumentiert.
Wo finde ich das Verfallsdatum auf der Box?
Das Verfallsdatum wird durch ein Sanduhr-Symbol gekennzeichnet, gefolgt von einer Datumsangabe. Es markiert den Zeitpunkt, bis zu dem der Hersteller die zugesicherten Eigenschaften gewährleistet. Nach Ablauf sollten die Herstellerangaben beachtet werden.
Fazit
Die Symbole auf Handschuhverpackungen wirken auf den ersten Blick unübersichtlich, folgen aber einer klaren Logik: Sie ordnen das Produkt seinen Rechtsrahmen zu und fassen geprüfte Eigenschaften sprachunabhängig zusammen. Wer das CE-Zeichen, die Schutz-Piktogramme nach EN ISO 374, das Glas-Gabel-Symbol und die Handhabungssymbole nach EN ISO 15223-1 unterscheiden kann, trifft bei Auswahl und Einsatz fundiertere Entscheidungen. Entscheidend bleibt: Die Symbole geben Orientierung, die verbindliche Auskunft liefern jedoch immer die Herstellerangaben und die zugehörige Norm.
Quellen und Hinweise
- Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV), Institut für Arbeitsschutz – Praxishilfe Chemikalienschutzhandschuhe, Kennzeichnung und Normung: dguv.de
- Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) – Lebensmittelkontaktmaterialien: bvl.bund.de
- EUR-Lex – Verordnung (EG) Nr. 1935/2004 über Materialien und Gegenstände mit Lebensmittelkontakt: eur-lex.europa.eu
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Orientierung und ersetzt keine individuelle Arbeitsschutz-, Hygiene-, Rechts- oder Medizinproduktberatung. Für die konkrete Eignung eines Produkts sind Herstellerangaben, Normkennzeichnungen und betriebliche Anforderungen zu prüfen.
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Zum Branchenratgeber Metzgerei →einmalhandschuhe-ratgeber.de ist ein unabhängiger Online-Ratgeber rund um Materialien, Anwendungen und Hygiene-Standards von Einmalhandschuhen. Die Beiträge dienen der allgemeinen Orientierung und enthalten bewusst keine Marken- oder Produktempfehlungen. Maßgeblich für den konkreten Einsatz sind Herstellerangaben, Normkennzeichnungen und betriebliche Anforderungen.
Aktualisiert am 28. April 2026 · Redaktioneller Beitrag ohne Produktempfehlung.