In Druckereien kommen Beschäftigte täglich mit Druckfarben, Reinigungsmitteln und organischen Lösemitteln in Berührung. Diese Stoffe können Haut und Schleimhäute reizen, allergische Reaktionen auslösen oder langfristig zu Berufserkrankungen führen. Einmalhandschuhe sind deshalb ein zentrales Instrument des betrieblichen Hautschutzes – doch nicht jedes Material ist für jede Tätigkeit geeignet.

Kurzantwort: Welche Einmalhandschuhe für die Druckerei?

Für die meisten Tätigkeiten in der Druckerei sind Nitrilhandschuhe erste Wahl. Sie bieten eine gute Beständigkeit gegenüber vielen Druckfarben, aliphatischen Lösemitteln und wasserbasierten Reinigern. Gegen stark aggressive Lösemittel bieten Einmalhandschuhe aus Nitril nur begrenzten Schutz – hier sind wiederverwendbare Chemikalienschutzhandschuhe erforderlich. Vinylhandschuhe eignen sich nur für leichte Tätigkeiten, Latexhandschuhe scheiden aus Allergiegründen oft aus.

Typische Gefährdungen in der Druckerei

Druckfarben und Pigmente

UV-härtende Druckfarben enthalten Fotoinitiatoren und Acrylate, die Kontaktallergien auslösen können. Lösemittelbasierte Farben enthalten organische Lösemittel wie Ethylacetat, Ethanol oder Isopropanol. Pigmente selbst sind in der Regel reizend und können über die Haut aufgenommen werden.

Reinigungsmittel und Waschmittel

Druckwalzen, Zylinder und Gummitücher werden mit speziellen Waschmitteln gereinigt, die aliphatische Kohlenwasserstoffe, Alkohole oder tensidbasierte Reiniger enthalten können. Diese entfetten die Haut und schädigen die natürliche Hautbarriere ohne ausreichenden Schutz.

Befeuchter, Additive und Kleber

Im Offsetdruck kommen isopropanolhaltige Feuchtmittelzusätze zum Einsatz. Kleber und Veredelungsmittel enthalten oft Lösemittel oder reaktive Stoffe, die Hautreizungen verursachen können.

Materialvergleich: Nitril, Vinyl und Latex

Tätigkeit / StoffNitrilVinylLatexHinweis
Wasserbasierte DruckfarbengeeignetgeeignetgeeignetAlle Materialien ausreichend
UV-härtende Farben (Acrylate)geeigneteingeschränkteingeschränktNitril bevorzugen
Lösemittelbasierte Farbenbedingtnicht geeignetnicht geeignetPermeationszeiten beachten
Reiniger mit aliphatischen KWbedingtnicht geeignetnicht geeignetGgf. wiederverwendbare Handschuhe
Ketone (MEK, Aceton)nicht geeignetnicht geeignetnicht geeignetSchwere PSA Kategorie III erforderlich
Tensidbasierte ReinigergeeignetgeeignetgeeignetBei Latex: Allergie beachten

Die Angaben basieren auf allgemeinen Materialeigenschaften. Die konkrete Eignung hängt von Produkten, Konzentrationen, Einsatzzeiten und Herstellerangaben ab.

PSA-Anforderungen und rechtliche Grundlagen

Die Pflicht zur Bereitstellung von Schutzhandschuhen ergibt sich aus dem Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) und der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV). Die TRGS 401 der BAuA gibt detaillierte Hinweise zur Ermittlung, Beurteilung und Auswahl von Hautschutzmaßnahmen einschließlich Schutzhandschuhen.

PSA-Kategorien bei Handschuhen

Für den Umgang mit stark aggressiven Lösemitteln können Einmalhandschuhe nicht als alleinige PSA ausreichen. Sie dienen allenfalls als Unterziehhandschuh unter schwerem Chemikalienschutz.

Hautschutzplan

In Druckereibetrieben mit regelmäßigem Kontakt zu hautschädigenden Stoffen ist ein Hautschutzplan nach TRGS 401 Pflicht: Barrier-Creme vor der Arbeit, geeignete Handschuhe während der Arbeit, schonende Hautreinigung und Pflege danach.

Nitrilhandschuhe in der Druckerei: Stärken und Grenzen

Vorteile

Grenzen

Weiterführende Informationen zur Chemikalienbeständigkeit: EN ISO 374: Chemikalienschutz bei Schutzhandschuhen einfach erklärt.

Latexhandschuhe und Allergiepotenzial

Latexhandschuhe haben ein erhebliches Allergiepotenzial. Für Beschäftigte mit Latexsensibilisierung sind sie kontraindiziert. Da latexfreie Alternativen für nahezu alle Einsatzbereiche zur Verfügung stehen, empfehlen viele Arbeitsmediziner den Verzicht auf Latex in der Druckerei. Mehr dazu: Latexallergie und Einmalhandschuhe: Hintergründe, Risiken und sichere Alternativen.

Praxisempfehlung nach Druckverfahren

Checkliste: Handschutzmanagement in der Druckerei

Häufige Fehler beim Handschutz in der Druckerei

  1. Falsches Material wählen: Vinylhandschuhe für lösemittelhaltige Reiniger.
  2. Zu lange tragen: Schwitzen im Handschuh schädigt die Haut.
  3. Sicherheitsdatenblätter ignorieren: Chemikalienbeständigkeit muss produktspezifisch geprüft werden.
  4. Handschuhe mehrfach verwenden: Einmalhandschuhe sind für einmaligen Gebrauch ausgelegt.
  5. Kein Hautschutzplan: Handschuhe allein reichen nicht aus.
  6. Auf Einmalhandschuhe bei aggressiven Stoffen vertrauen: Bei Ketonen und Aromaten unzureichend.
  7. Allergiegefährdung unterschätzen: Latex kann bei sensibilisierten Beschäftigten schwere Reaktionen auslösen.

FAQ: Einmalhandschuhe in der Druckerei

Welcher Einmalhandschuh eignet sich am besten in der Druckerei?

Für die meisten Tätigkeiten in der Druckerei sind puderfreie Nitrilhandschuhe am besten geeignet. Sie bieten gute Beständigkeit gegen viele Druckfarben, Alkohole und wasserbasierte Reiniger, sind latexfrei und mechanisch belastbar. Die konkrete Eignung hängt von den verwendeten Stoffen und Herstellerangaben ab.

Sind Einmalhandschuhe für den Umgang mit Lösemitteln in der Druckerei geeignet?

Nur eingeschränkt. Nitril-Einmalhandschuhe können bei kurzem Kontakt mit leichten Lösemitteln (Alkohole, Ester) einen gewissen Schutz bieten. Bei aggressiven Lösemitteln wie Ketonen oder aromatischen Kohlenwasserstoffen sind Einmalhandschuhe nicht geeignet – hier sind zertifizierte Chemikalienschutzhandschuhe nach EN ISO 374 erforderlich.

Wie lange darf man Einmalhandschuhe in der Druckerei tragen?

Einmalhandschuhe sollten möglichst nur für die jeweilige Tätigkeit getragen und danach gewechselt werden. Als Faustregel gilt: nicht länger als 30 bis 60 Minuten durchgehend tragen; bei chemischen Kontakten entsprechend der Permeationsdaten des Herstellers.

Müssen Druckereibetriebe einen Hautschutzplan haben?

Ja. Bei regelmäßigem Kontakt mit hautschädigenden Stoffen ist ein Hautschutzplan nach TRGS 401 verpflichtend. Er legt fest, welche Schutzmaßnahmen vor, während und nach der Arbeit zu ergreifen sind.

Dürfen in der Druckerei Latexhandschuhe verwendet werden?

Latexhandschuhe sind nicht verboten, sollten aber aus Allergiegründen kritisch bewertet werden. Für Beschäftigte mit Latexsensibilisierung sind sie kontraindiziert. Da latexfreie Alternativen vergleichbare Schutzeigenschaften bieten, empfehlen viele Arbeitsmediziner den Verzicht in der Druckerei.

Was bedeutet PSA-Kategorie III für Handschuhe in der Druckerei?

PSA-Kategorie III bezeichnet Schutzausrüstung für Risiken mit schwerwiegenden oder tödlichen Folgen – z. B. stark ätzende oder giftige Chemikalien. Solche Handschuhe müssen von einer benannten Stelle geprüft sein. In der Druckerei betrifft das insbesondere aggressive Lösemittel und Säuren.

Welche Normen gelten für Schutzhandschuhe in der Druckerei?

Relevante Normen sind EN ISO 374-1 bis 374-5 (Chemikalienschutz), EN ISO 21420 (allgemeine Anforderungen) sowie die TRGS 401 (technische Regel zum Hautschutz). Medizinische Einmalhandschuhe nach EN 455 sind für den Hautschutz bei chemischen Stoffen in der Druckerei in der Regel nicht der richtige Bezugsrahmen.

Fazit

In der Druckerei variieren die Handschutz-Anforderungen je nach Druckverfahren, Farben und Reinigungsmitteln erheblich. Nitril-Einmalhandschuhe sind für viele allgemeine Tätigkeiten eine sinnvolle Wahl – latexfrei, mechanisch belastbar und ausreichend bei leichteren Chemikalienkontakten. Für aggressive Lösemittel, Ketone oder stark ätzende Stoffe sind zertifizierte Chemikalienschutzhandschuhe nach EN ISO 374 erforderlich. Entscheidend ist immer die betriebliche Gefährdungsbeurteilung auf Basis der Sicherheitsdatenblätter.

Quellen und weiterführende Informationen

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Orientierung und ersetzt keine individuelle Arbeitsschutz-, Hygiene-, Rechts- oder Medizinproduktberatung. Für die konkrete Eignung eines Produkts sind Herstellerangaben, Normkennzeichnungen und betriebliche Anforderungen zu prüfen.

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Aktualisiert am 28. April 2026 · Redaktioneller Beitrag ohne Produktempfehlung.