In der Kita und Krippe gehört das Tragen von Einmalhandschuhen für Erzieherinnen und Erzieher zum Alltag – beim Wickeln, beim Umgang mit Körperflüssigkeiten und bei Erste-Hilfe-Situationen. Doch welches Material ist geeignet? Wann schreiben Hygieneregeln den Handschuheinsatz vor? Und was sollte bei der Auswahl besonders beachtet werden, wenn täglich mit Kindern gearbeitet wird? Dieser Beitrag gibt einen praxisnahen Überblick.

Kurze Antwort für Eilige

Erzieherinnen und Erzieher benötigen Einmalhandschuhe bei Tätigkeiten, bei denen Kontakt mit Körperflüssigkeiten, Ausscheidungen oder Wunden möglich ist – insbesondere beim Wickeln, bei der Wundversorgung und beim Reinigen kontaminierter Flächen. Latexfreie, puderfreie Nitrilhandschuhe gelten als erste Wahl, weil Latexallergien bei Kindern und Erwachsenen häufig unbekannt sind. Die TRBA 250 ist der maßgebliche Rechtsrahmen für den Handschuheinsatz in Kindertageseinrichtungen.

Wann sind Einmalhandschuhe in der Kita erforderlich?

Nicht jede Situation im Kita-Alltag erfordert den Einsatz von Einmalhandschuhen. Die TRBA 250 – die Technische Regel für biologische Arbeitsstoffe im Gesundheitswesen und in der Wohlfahrtspflege – gilt auch für Kindertageseinrichtungen, da Erzieherinnen und Erzieher regelmäßig mit biologischen Arbeitsstoffen in Berührung kommen. Dazu zählen Ausscheidungen (Stuhl, Urin, Erbrochenes), Speichel, Blut und andere Körpersekrete.

Handschuhe sind insbesondere dann angezeigt bei:

Tätigkeiten wie das Berühren von Spielzeug, allgemeines Reinigen von Oberflächen ohne Kontaminationsrisiko oder das Austeilen von Mahlzeiten erfordern hingegen nicht zwingend das Tragen von Einmalhandschuhen – hier entscheidet die individuelle Risikobewertung im einrichtungsspezifischen Hygieneplan.

Welches Material eignet sich für Kitas?

Die Wahl des richtigen Handschuhmaterials ist in der Kita besonders wichtig, weil sowohl die Beschäftigten als auch die betreuten Kinder mögliche Allergien haben können, die nicht immer bekannt sind. Eine Latexallergie kann sich erstmals beim unbekannten Erstkontakt zeigen – mit teils schwerwiegenden Folgen.

MaterialLatexfreiEignung KitaBesonderheiten
Nitril✓ JaSehr gut geeignetErste Wahl; gute Barrierewirkung, reißfest, latexfrei
Latex✗ NeinNicht empfohlenAllergiepotenzial für Kinder und Erwachsene; sollte in Kitas vermieden werden
Vinyl✓ JaEingeschränkt geeignetGünstig, aber geringere Reißfestigkeit; nur für kurzzeitigen, leichten Einsatz
TPE / PE✓ JaNicht für KörperpflegeSehr dünn, kaum Schutzfunktion bei direktem Körperkontakt; eher für Lebensmittelhandhabung

Fazit zur Materialwahl: Für den regulären Kita-Einsatz – insbesondere beim Wickeln und bei der Wundversorgung – sind latexfreie Nitrilhandschuhe in puderfreier Ausführung die empfehlenswerte Wahl. Sie kombinieren gute Barrierewirkung, Reißfestigkeit und ein geringes Allergenpotenzial.

Latexfreiheit: Besonders wichtig im Umgang mit Kindern

Kinder können eine Latexsensibilisierung entwickeln, bevor eine klinische Allergie diagnostiziert wird. Das gilt insbesondere für Kinder mit häufigem medizinischen Kontakt, aber auch für die breite Kita-Bevölkerung, bei der Vorinformationen nicht immer vorliegen. Einrichtungen, die konsequent auf Latex verzichten, minimieren dieses Risiko für alle Beteiligten.

Ebenso sollten puderfreie Handschuhe bevorzugt werden: Puder (Maisstärke) kann Latexproteine transportieren und bei Sensibilisierten eine Reaktion auslösen. Puderfreie Handschuhe sind in medizinischen und pädagogischen Einrichtungen heute der Standard. In Europa sind gepuderte Untersuchungshandschuhe nach der Verordnung (EU) 2016/425 ohnehin nicht mehr als Medizinprodukt zugelassen.

Rechtliche Grundlagen: TRBA 250 und Hygieneplanung

Kindertageseinrichtungen sind nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) und den Unfallverhütungsvorschriften ihrer Träger verpflichtet, einen einrichtungsspezifischen Hygieneplan zu erstellen. Dieser Plan legt fest, bei welchen Tätigkeiten Schutzausrüstung – also auch Einmalhandschuhe – eingesetzt werden muss.

Die TRBA 250 (Technische Regel für biologische Arbeitsstoffe) beschreibt Schutzmaßnahmen für Beschäftigte, die im Gesundheitswesen und in der Wohlfahrtspflege mit biologischen Arbeitsstoffen in Berührung kommen. Kita-Beschäftigte fallen in dieser Regel in eine relevante Gruppe, da Körperflüssigkeiten von Kindern als biologische Arbeitsstoffe eingestuft werden. Für Tätigkeiten der Schutzstufe 2 – zu denen das Wickeln gehören kann – wird das Tragen geeigneter Schutzhandschuhe empfohlen. Die aktuelle Fassung der TRBA 250 ist bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) kostenlos abrufbar.

Zudem gibt die DGUV Information 202-023 „Biologische Arbeitsstoffe in Kindertageseinrichtungen“ speziell für Kitas konkrete Handlungsempfehlungen zur Persönlichen Schutzausrüstung, zur Händehygiene und zum Umgang mit kontaminiertem Material. Sie ist über die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) frei zugänglich.

Handschuhe richtig an- und ausziehen

Ein häufiger Fehler in der Praxis: Beim Ausziehen wird die kontaminierte Außenseite berührt und so die Kontamination auf die Hände übertragen. Besonders in der Kita, wo mehrere Tätigkeiten in kurzer Folge anfallen, ist das korrekte An- und Ausziehen von zentraler Bedeutung.

Grundprinzip beim Ausziehen: Den ersten Handschuh von außen fassen (behandschuhte Hand greift von außen), nach innen stülpen und mit der freien Hand halten. Den zweiten Handschuh mit dem bloßen Finger von innen greifen und ebenfalls nach innen wenden – die kontaminierte Außenseite bleibt eingeschlossen. Anschließend: Hände waschen und desinfizieren.

Wichtig: Handschuhe ersetzen keine Händehygiene. Nach dem Ausziehen sollten die Hände gewaschen und bei Bedarf desinfiziert werden. Handschuhe sind eine Ergänzung zur Händehygiene – kein Ersatz.

Checkliste: Einmalhandschuhe für die Kita richtig auswählen

Häufige Fehler beim Handschuheinsatz in der Kita

  1. Handschuhe als Ersatz für Händehygiene: Handschuhe schützen, aber Händewaschen bleibt Pflicht – vor allem nach dem Ausziehen.
  2. Zu große oder zu kleine Handschuhe: Schlecht sitzende Handschuhe reißen leichter und behindern die Arbeit. Immer die passende Größe bereitstellen.
  3. Latexhandschuhe in der Kita: Das Allergiepotenzial ist nicht kalkulierbar. In pädagogischen Einrichtungen sollte generell auf Latex verzichtet werden.
  4. Handschuhe mehrfach verwenden: Einmalhandschuhe sind für den einmaligen Gebrauch konzipiert. Nach jeder risikobehafteten Aufgabe wechseln.
  5. Falsches Ausziehen: Die kontaminierte Außenseite berühren – häufig und vermeidbar (siehe oben).
  6. Handschuhe zu sparsam einsetzen: Bei Tätigkeiten mit Körperkontakt ist Schutz wichtiger als Sparsamkeit.
  7. Veraltete oder beschädigte Handschuhe verwenden: Mindesthaltbarkeitsdatum beachten, Handschuhe auf Risse und Versprödung prüfen.

FAQ: Einmalhandschuhe in Kita und Krippe

Müssen Erzieherinnen beim Wickeln immer Handschuhe tragen?

Die TRBA 250 empfiehlt für Tätigkeiten mit direktem Kontakt zu Ausscheidungen – wie dem Wickeln – das Tragen geeigneter Einmalschutzhandschuhe. Ob dies im Einzelfall verpflichtend ist, regelt der einrichtungsspezifische Hygieneplan. In der Praxis gilt: Wo Kontakt mit Stuhl, Urin oder Blut möglich ist, sollten Handschuhe getragen werden.

Welches Handschuhmaterial ist in der Kita am besten geeignet?

Latexfreie, puderfreie Nitrilhandschuhe sind die erste Wahl in Kindertageseinrichtungen. Sie bieten eine zuverlässige Barrierewirkung, sind gut verträglich und schließen das Risiko einer Latexreaktion aus – sowohl für Erzieherinnen als auch für Kinder.

Darf man Einmalhandschuhe in der Kita wiederverwenden?

Nein. Einmalhandschuhe sind für den einmaligen Gebrauch konzipiert und sollten nach jeder risikobehafteten Aufgabe entsorgt werden. Mehrfachverwendung erhöht das Risiko der Kreuzkontamination und vermindert die Schutzwirkung.

Gibt es gesetzliche Vorgaben für den Handschuheinsatz in Kitas?

Ja. Die TRBA 250 und das Infektionsschutzgesetz (IfSG) bilden den rechtlichen Rahmen. Kindertageseinrichtungen sind außerdem verpflichtet, einen Hygieneplan zu erstellen, der den Einsatz von Schutzausrüstung – einschließlich Handschuhen – regelt. Die konkrete Ausgestaltung hängt vom Träger und den zuständigen Gesundheitsbehörden ab.

Kann ein Kind in der Kita auf Nitrilhandschuhe reagieren?

Echte Allergien gegen Nitril sind selten, aber nicht ausgeschlossen. Häufiger sind Reaktionen auf Zusatzstoffe wie Vulkanisationsbeschleuniger (etwa Thiurame). Im Verdachtsfall sollte der Betriebsarzt oder der Kinderarzt hinzugezogen werden. Für bekannte Beschleuniger-Allergien sind beschleunigerfreie Nitrilhandschuhe erhältlich.

Wie viele Handschuhe benötigt eine Kita pro Tag?

Das hängt von der Einrichtungsgröße und der Betreuungsintensität ab. Als Orientierung: Pro Wickelvorgang ein Paar Handschuhe, dazu weitere für Reinigungsarbeiten und Erste-Hilfe-Maßnahmen. Bei einer Gruppe mit 15 Kindern und drei Wickelungen täglich pro Kind können schnell 30–60 Paar pro Tag anfallen. Regelmäßige Nachbestellung sollte fest eingeplant sein.

Fazit

Einmalhandschuhe sind in der Kita und Krippe ein unverzichtbares Hygienemittel – aber nur dann wirksam, wenn sie gezielt eingesetzt und korrekt getragen werden. Latexfreie, puderfreie Nitrilhandschuhe in passenden Größen und ausreichender Menge bilden die Grundlage für einen hygienisch sicheren Kita-Alltag. Der einrichtungsspezifische Hygieneplan – orientiert an TRBA 250 und DGUV Information 202-023 – legt fest, bei welchen Tätigkeiten das Tragen verpflichtend ist, und schafft damit Klarheit für das gesamte Team. Handschuhe ergänzen die Händehygiene, ersetzen sie aber nicht.

Quellen und weiterführende Informationen

Weiterführende Artikel: Nitrilhandschuhe – Eigenschaften und Einsatzbereiche | Puderfrei vs. gepudert

Sicherheitshinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Orientierung und ersetzt keine individuelle Arbeitsschutz-, Hygiene-, Rechts- oder Medizinproduktberatung. Für die konkrete Eignung eines Produkts sind Herstellerangaben, Normkennzeichnungen und betriebliche Anforderungen zu prüfen.

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Aktualisiert am 28. April 2026 · Redaktioneller Beitrag ohne Produktempfehlung.